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Pressemitteilung Retro Classics
meets Barock 7 / 2009, 15 Juni
2009
Ludwigsburg – eine Chance für die
Besten Interview mit Jury-Mitglied
Siegfried Linke
Seit 25 Jahren ist Siegfried Linke
Jury-Mitglied beim Pebble Beach Concours
d´Élégance, dem berühmtesten
Schönheitswettbewerb für Oldtimer in den
USA. Seit 1950 werden am 18. Loch des
Pebble Beach Golf Club bei Monterey/Kalifornien
die besten Klassiker-Fahrzeuge prämiert.
Der deutschstämmige Siegfried Linke hat
schon tausende schöner Automobile
gesehen und bewertet. Dennoch: Jedem
Fahrzeug, das er anschaut, widmet er
sich mit völliger Hingabe. Er sieht
Details, die auch dem Oldtimer-Profi
nicht unbedingt auffallen. Siegfried
Linke äußert sich zum Concours
d´Élégance in Ludwigsburg und zu den
Voraussetzungen, einen solchen Concours
zu gewinnen.

Frage: Herr Linke, wie sind Sie in die
Jury des Concours d´Élégance von
Ludwigsburg gekommen?
Siegfried Linke:
Ein Freund, der auch mit dem Concours zu
tun hat, fragte mich, ob ich in der Jury
mitarbeiten wolle. Diesem Ruf bin ich
gerne gefolgt, um dem Concours d´Élégance mehr
Anerkennung und Publicity zu geben. Im
vergangenen Jahr war ich zum ersten Mal
dabei, und es hat mir so gut gefallen,
dass ich auch 2009 gern wieder hierher
gekommen bin.
Frage:
Wie erleben Sie Ludwigsburg im Vergleich
zu Pebble Beach?
Siegfried Linke: Den Concours d´Élégance
von Pebble Beach gibt es jetzt im 59.
Jahr, deshalb sollte man die beiden
Wettbewerbe nicht vergleichen. Ich sehe
aber einen wichtigen Punkt, den es in
Deutschland meiner Meinung nach zu
verändern gilt. Ein classics car, also
ein klassisches Auto, ist in den USA
nicht einfach ein Oldtimer, sondern ein
Fahrzeug von technisch sehr guter
Qualität, das seiner Zeit weit voraus
war, in wenigen Exemplaren gebaut wurde
und einen sehr schönen Stil hat. In
Pebble Beach gehören zu dieser Kategorie
nur Fahrzeuge der Baujahre 1924 bis
1948. Natürlich gibt es daneben noch
weitere sehr schöne Oldtimer, die aber
nach diesen Maßstäben keine Klassiker
sind. Ihnen fehlt die Exzellenz, die
herausragende Technik und Eleganz, die
nur ganz wenige Fahrzeuge besitzen.
Frage: Vermissen Sie solche Fahrzeuge
hier?
Siegfried Linke:
Hier bei Retro Classics
meets Barock gibt es solche Fahrzeuge.
Sie fallen sofort auf, weil sie eben
herausragende Technikbeispiele ihrer
Zeit sind. Dazu gehört der „Best of
Show“, der Lancia Aurelia 1952, der
Lancia Astura und einige weitere. Man
würde sich natürlich noch mehr solche
Automobile wünschen, denn davon lebt ein
Concours d´Élégance. Außerdem lädt die
herrliche, perfekte Kulisse vor dem
Ludwigsburger Schloss dazu ein, die
besten und schönsten Automobile zu
zeigen.
Frage:
Was ist ein Concours-Fahrzeug?
Siegfried Linke:
Es gibt viele schöne Oldtimer, die man
bei einem solchen Concours zeigen
sollte. Aber ein altes, gut erhaltenes
Fahrzeug ist nicht unbedingt ein Auto,
das einen Concours d´Élégance gewinnt. Ein
Concours-Fahrzeug kann ich von oben,
unten, rechts und links anschauen – es
ist immer gleich elegant und schön. Die
Linien dieser Wagen werden durch nichts
unterbrochen, sie sind perfekt. Stellen
Sie sich ein Automobil in Form einer Box
vor: Es ist vielleicht technisch 1A,
aber es ist nicht elegant. Gleichzeitig
gibt es Fahrzeuge, die Erinnerungen
wecken, die in großer Zahl gebaut wurden
und unbedingt in die Zeit gehören. Sie
sollen gezeigt werden, aber sie sind
eben nicht die Schönsten.
Ein Concours-Fahrzeug muss außerdem
technisch perfekt restauriert und in
gutem Zustand sein. Technisch sind die
deutschen Autos oft sehr gut, aber man
achtet mehr auf Straßentauglichkeit und
Sicherheit als auf Ästhetik.
Beispielsweise verwendet man moderne
Flachsicherungen statt der originalen
aus Keramik – das führt zum Punktabzug.
Ganz schlimm finde ich es, wenn
Automobile auf Achse nach Ludwigsburg
gefahren und dann verschmutzt der Jury
vorgeführt werden. Es ist schön, wenn
man einen Klassiker noch fährt, aber
eben nicht zum Wettbewerb der schönsten
Autos.
Frage: Originale oder restaurierte
Fahrzeuge – wie stehen Sie dazu?
Siegfried Linke:
In Pebble Beach gab es
in den vergangenen Jahren oft
überrestaurierte Fahrzeuge, die besser
dastanden als das Original. Dies wird
jetzt korrigiert. Falsch verchromt sieht
schöner aus, wird aber jetzt als Fehler
gewertet. Gute neue Gürtelreifen
bekommen technisch die volle Punktzahl,
aber erhalten Abzüge bei der
Originalität. Außerdem gibt es jetzt
auch eine Bewertung für das beste
Fahrzeug im Originalzustand. In der
Vergangenheit wurden manchmal gut
erhaltene Klassiker auseinandergerissen
und damit zerstört. Dem wollen wir
entgegensteuern, zumal es nur noch ganz
wenige originale Fahrzeuge gibt.
Frage:
Ein prämiertes Fahrzeug gewinnt an Wert.
Dient der Concours d´Élégance
der Wertsteigerung dieser Automobile?
Siegfried Linke:
Nein, auf keinen Fall. Es ist
andersherum: Weil die im Concours
gezeigten Fahrzeuge die besten sind,
bekommen sie mehr Anerkennung und werden
auch wirtschaftlich besser bewertet. Wir
haben aber mit dem finanziellen Wert
eines Fahrzeugs nichts am Hut. Wir
bewerten unabhängig nach den Richtlinien
der Fédération Internationale des
Vehicules Anciens FIVA. Diese strengen
Richtlinien gelten auch in Ludwigsburg
als Maßstab.
Herr Linke, vielen Dank und guten Erfolg
beim Pebble Beach Concours d´Élégance im
August!
Bildzeile:
Siegfried Linke mit dem „Best of Show“
von Retro Classics meets Barock 2009,
dem Lancia Aurelia von 1952.
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